Archive for Juni, 2005

Air Berlin zieht nach

Dienstag, Juni 21st, 2005

Einen Monat nachdem die Deutsche Bahn 520’000 Billig-Tickets beim Discounter verramscht und damit ein riesiges Medienecho erreicht hat, (siehe Eintrag “DB featuring Lidl”) kündigt nun Air Berlin einen ähnlichen Schritt an. In der Hoffnung auf genügend Geizgeile Konsumenten sollen in einer einmaligen Aktion Ticket-Gutscheine zu 29.- Euro beim Unterschichtendiscounter Penny Markt angeboten werden.

Der Haken an der Sache ist der Umstand, dass die Gutscheine danach im Reisebüro oder im Internet in Flugtickets in der Preiskategorie bis 79 Euro umgetauscht werden müssen. Vielleicht ist diese Aktion zu durchdacht als dass ich sie verstehen würde, aber wenn der Kunde nach dem Kauf ohnehin die Website oder das nächste Reisebüro besuchen muss, wozu dann die Umstände mit dem Gutschein??

Für Air Berlin ist es vorteilhaft – sie können dadurch (zumindest kurzfristig) Flüge auf wenig ausgelasteten Strecken füllen und bekräftigen langfristig ihr Billig Image. Aber macht Geiz wirklich auch blöd? Und kaufen Leute tatsächlich Flugticketgutscheine für zum Kaufzeitpunkt unbekannte Destinationen? Die Geschäftskunden jedenfalls, die sich in Zukunft in die mit Penny-Fuchsern vollgepferchten Flieger setzen müssen, wird’s nicht freuen.

Guten Flug wünscht konsumfreu(.)de

Mc Immerwasneues

Montag, Juni 20th, 2005

Früher war alles einfacher – bei Mc Donalds gabs nur Hamburger, Cheeseburger, Big Mac, Chickennuggets, Fishmac, McChicken, Cola, Fanta und Sprite, Pommes und Milchshakes. Keine Experimente, keine Entscheidungsparalyse. Das hat sich Anfang / Mitte der Neunziger drastisch geändert. Angefangen hat der Wandel mit der Einführung von Salaten – die Schweizer mögen sich vielleicht noch erinnern an den gerappten TV-Spot: “Neu gits bim Mc Donalds jetzt drü frischi Salat – es git de frischi Mc Donalds Gartesalat – Garte, Chef, Crevette…” kurz darauf folgte der Vegi Mac und damit hatten dann auch Vegetarier keinen Grund mehr, an McDonalds vorbei zu gehen. Es folgten Saison und Eventspezifische Specials wie Hallowennkartoffeln und Chinawochen, WM und EM Burger. Auf den Film “Super Size Me” in dem Morgan Spurlock die Fastfood Kultur entzaubert hat antwortete Mc Donalds promt mit einer Gesundheits- und Fittnessoffensive. Seither gibt es Fruchttüten und low Fat Salatsaucen und sogar Heidi Klum isst (zumindest im aktuellen TV-Spot) wieder bei McDonalds. Zur Krönung dieser Sortimentserweiterung ist jetzt auch noch eine eigene Fahrrad- und Skateboardlinie geplant (Vgl. Horizont.net)

McDonalds ist kompliziert geworden – während man früher noch zwischen Erdbeer, Vanille und Schokoshake auswählen konnte, gerät man heute mit mindestens vier Sorten McFlury, Softeis, Milchshake, Sundea und Joghurt Frucht Shake (für die Gesundheitsbewussten) zeitweilen in Entscheidungsnotstand. Vor allem Leuten (wie mir), die immer gern alles ausprobieren, mach das breite Angebot zu schaffen. Abhilfe schafft eigentlich nur das Wissen, dass die Klassiker eh am besten schmecken und jeder noch so verführerisch aussehende special Burger am Ende nur mindestens halb so gut schmeckt wie er aussieht.

Neuerdings ist zu den Event- und Saisonspezialitäten noch eine Ethno-Linie hinzugekommen. Als ich im Winter in der Schweiz McFondue, McRacelette und McRösti gesehen habe, dachte ich noch, es handelt sich um einen Scherz – doch jetzt habe ich in Holland den McKroket entdeckt.-)

Mc Kroket der holländische Ethno-Burger

Wie sieht denn da wohl die landesspezifische Speisekarte in anderen Ländern aus? McWienerschnitzel in Österreich? McBaguette in Frankreich? McPizza in Italien und McBörek in der Türkei? Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie in diesem Sommerulraub beim goldenen M einkehren.

Eine gute Wahl wünscht konsumfreu(.)de

Erschreckend einfach

Donnerstag, Juni 9th, 2005

Damit haben Vodafone, Telecom, Orange, Swisscom, Mobilcom etc. wohl nicht gerechnet – der neue Trend auf dem Telekommunikationsmarkt heisst back to basics. Mit konsequent einfachen Tarifen traten E-Plus mit “Simyo” in Deutschland und Sunrise mit “Yallo” in der Schweiz die Umkehr im zuletzt kaum mehr zu durchschauenden Preisdschungel an. Vor Schreck oder aus rger darüber, nicht selbst auf die Idee gekommen zu sein will Mobilcom jetzt der neuen Einfachheit auf gerichtlichem Weg Einhalt gebieten. (Vgl. W&V ) Dabei stellen die neuen prepayed Angebote einfach nur den Weg in die richtige Richtung dar. Ein vorher bekannter Einheitstarif zum Telefonieren, keine Mindestvertragszeit und kein subventioniertes Handy – so einfach ist die Formel.

Kaum zehn Jahre ist der Massenmarkt für mobile Kommunikation alt und in dieser Zeit wurden die Angebote zunehmend undurchsichtiger. Die Handy Tarife waren zuletzt eine Mischung aus Gratis-Minuten, Wochenendtarifen, SMS-inklusivpaketen und Abzahlungsgeschäft. Der anfängliche Marketing-Gag, Handys bei Vertragsunterzeichnung gratis abzugeben hat sich institutionalisiert und Handy Verträge mit einer Laufzeit von unter zwei Jahren sind in Deutschland kaum mehr zu finden.

Das Handy für Deutschland??

Mit möglichst vielen Inklusive-Minuten versuchen die Anbieter, Kunden zum mehr-Telefonieren zu bewegen. Hier ein kurzer Auszug aus einem Gespräch mit einer Callcenter-Mitarbeiterin von Vodafone von vor einigen Wochen:

“Ich habe gesehen, dass Ihre letzte Telefonrechnung sehr hoch ausgefallen ist”
“ach ja – das haben Sie gesehen?”
“Ja, und daher würde ich Ihnen als gute Kundin gerne ein tolles Angebot machen”
“Nein danke, ich bin zufrieden”
“Aber Sie könnten viel Geld sparen”
“Möcht ich nicht”
“Doch- hören Sie sich das mal an – ich würde vorschlagen, Ihr Abo umzuwandeln in den xyz Tarif, darin enthalten sind 1000 Freiminuten, die Sie am Wochenende und Abends einlösen können, dazu empfehle ich das SMS Package für 5 Euro, das UMTS Package für 10 Euro im Monat, damit können Sie zusätzlich gratis drei Klingeltöne und …”
“Ich brauche keine Klingeltöne und auch keine Freiminuten”
“Aber Sie könnten damit Ihre Telefonkosten massiv reduzieren und zugleich…”
“Nein, ich möchte meine Telefonkosten nicht reduzieren!”
“Sie würden dann monatlich nur noch 59 Euro Grundgebühren bezahlen und hätten darin enthalten..”
“59 Euro Grundgebühr?? und das für zwei Jahre?? – nein Danke”….

Ich denke, es geht nicht nur mir so, mit den undurchsichtigen Tarifstrukturen wird häufig das Gegenteil von dem erreicht, was die Anbieter wünschen – die verunsicherten Konsumenten entscheiden sich im zweifelsfall gegen einen Anruf über Handy, weil sie fürchten, genau den schlechtesten Tarif zu bekommen.

Die neuen Prepayed Angebote haben den Weg in die richtige Richtung gewiesen – was jetzt noch fehlt ist die Möglichkeit, einen Vertrag auf unbestimmte Zeit abzuschliessen, ohne Grundgebühr, ohne verschleiertes Abzahlungsgeschäft für ein Handy, das man gar nicht braucht und ohne inklusive Klingeltöne. Denn Prepayed auf Dauer ist anstrengend – Ende Monat eine Rechnung zu bekommen viel einfacher. Aber auch das wird kommen, wir sind zuversichtlich!

Die einzigen, die sich nicht über diese Entwicklung freuen werden sind die Telefontarifberechnungsmaschinen im Internet – aber damit können wir leben.

In diesem Sinne – danke Yallo, danke Simyo!

Geiz brummt laut

Sonntag, Juni 5th, 2005

Kann es sein, dass Saturn mich für meine Anti Geiz ist Geil Kampagne bestrafen will oder ist es tatsächlich nur ein weiterer Beweis dafür, dass billig meist mit einer minderwertigen Qualität einhergeht?

Jedenfalls habe ich mir gestern einen kleinen Kühlschrank fürs Büro gekauft – und ihn sogleich wie in der Gebrauchsanweisung beschrieben in Betrieb genommen. Danach hat der kleine aus dem Hause Bomann erst mal für mehr als 12 Stunden ununterbrochen gebrummt – aber nicht etwa so, wie ein normaler Kühlschrank ab und zu ein bisschen kühlbrummt – nein, richtig laut. Ich hab jetzt die Temperatur etwas runtergestellt, mit dem Resultat, dass er nur noch alle fünf Minuten für jeweils ca. 10 Minuten anfängt zu brummen – in gleichbleibender Lautstärke.

Ja, vermutlich hätte ich die Qualität aufgrund des Preises von 109.- Euro schon im Laden hinterfragen sollen – aber auch ich bin zuweilen vom Preis als Kaufargument zu beeindrucken. Zudem war der kleine so niedlich…

..Aber eins ist klar, wenn der kleine Bomann bis Morgen nicht gelernt hat, sich lautstärkenmässig in seine neue Umgebung einzupassen werde ich wohl oder übel vom Umtauschrecht gebrauch machen müssen. Falls dieses bei Saturn nicht existiert, werde ich ihn hier auf der Website verlosen:-)

Stille Tage und ein wenig Schadenfreude wünscht

konsumfreu(.)de