Archive for Oktober, 2005

Besoffener Kakadu

Freitag, Oktober 21st, 2005

Sie sind unauffällig verpackt, stehen im Regal neben den Markenartikeln und erfreuen sich in konsumflauen Zeiten wachsender Beliebtheit – die Handelsmarken. Das meist schlichte Design und der scheinbar komplette Verzicht auf Marketing suggerieren dem Konsumenten, dass der Preis ganz knapp kalkuliert ist und keine versteckten Marketing-Kosten darin enthalten sind.

Von Zeit zu Zeit machen (vermutlich vom Handel selbst inszenierte) Gerüchte die Runde, dass in den unscheinbaren Verpackungen das gleiche steckt wie in den Markenprodukten und dass diese sogar beim Markenartikler selber vom Band laufen. Das stimmt natürlich teilweise auch und daher sind Brand Manager laufend daran, den höheren Preis ihrer Produkte durch Positionierung und Image zu rechtfertigen. Die Preisspirale dreht sich seit Jahren abwärts – Luxus- und (NoName) Discountprodukte wachsen, die Mitte bricht weg und Markenartikler, der Handel und die Konsumenten schauen nur noch auf den Preis.

Da plötzlich taucht trotz sich ausbreitender Vogelgrippe ein besoffener Kakadu in Gestalt einer an traditionelle Markenartikel angelehnten Handelsmarke auf und wirft die traditionellen Strukturen über den Haufen. Drunken Cockatoo (www.drunkencockatoo.de) – die von Reinhard Springer, Gründer von Springer & Jacoby und jetzigem Inhaber von Reinhard’s inszenierte DM-Eigenmarke – zwingt uns, die polarisierte Welt von Marken und Eigenmarken zu verlassen und die Strukturen neu zu ordnen. Drunken Cockatoo ist laut und frisch und bedient sich des gesamten Marketing- Instrumentariums – die (Handels-)Marke weckt Begehren anstatt an den Schnäppchenjägertrieb zu appellieren.

Drunken Cockatoo

Die aktuellen TV-Spots verbreiten keinen Handelsmarken-Mief sondern erinnern an die seit Jahren erfolgreichen Langnese-Spots (like ice in the sunshine) und zielen auf eine junge, trendbewusste Zielgruppe.

In der Hoffnung, dass der Kakadu die Vogelgrippe unbeschadte übersteht, gratulieren wir zu diesem innovativen Launch und hoffen, dass damit eine Trendwende weg vom Tunnelblick auf den Preis hin zu innovativen Markenkonzepten angestossen wird.

Wir bleiben dran
konsumfreu(.)de

Ferrero muss draussen bleiben

Mittwoch, Oktober 5th, 2005

Meterhohe Zäune, Videoüberwachung, strikte Eingangskontrollen – hier kommt nur rein, wer rein soll: vor Freude strahlende Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien und Rentner – alle mit Ticket – und einige der bedeutenden Deutschen Marken. Herzlich willkommen im Europapark – Deutschlands grösstem Freizeitpark.

Wegweisende Marken

Links geht es zum Nivea Kinderland und zum Nestle Eisstand, rechts befindet sich der Hipp Baby Service und ganz hinten im französischen Teil steht neu die Mercedes-Benz Hall mit dem Silver Star, Europas grösste und höchste Achterbahn. Der Selecta Automat im Hotel bietet eine einfältige Vielfalt – er ist ausschliesslich mit lila-Milka Schokolade gefüllt.

Einfältige Vielfalt

Die grossen Brands haben sich zusammengefunden an einem Ort, wo sich eine überdurchschnittlich attraktive Zielgruppe trifft – jung, zuweilen sehr jung und noch sehr gut beeinflussbar – und kaufkräftig. Nur Ferrero fehlt – dabei würde das “Kinder” Sortiment doch ausserordentlich gut in den Freizeitpark passen. Aber irgendwie scheint diese Kooperation nicht geklappt zu haben und so kommt es, dass am Frühstücksbuffet anstatt Nutella eine Nuss-Nougat-Creme namens Nocciolino liegt – Menz & Gasser, den Produzenten, wirds freuen.

Nocciolino statt Nutella

Auch Kelloggs scheint nicht genügent tief in die Tasche gegriffen zu haben – zwar dürfen sie noch die Cornflakes liefern, aber für eine prominente Produktplazierung hat es dann doch nicht gereicht – ob es daran liegt, dass sie keine neue “Fruit-Loop”-Achterbahn finanzieren wollten?

Die Brüder Mack haben das Marketing Potenzial so ziemlich ausgeschöpft – einzig im Toilettenbereich gibt es noch brachliegende Werbefläche – und so empfehlen wir eine Kooperation mit Procter & Gamble, die in Zukunft die Hotelzimmer mit Pampers-Windeleimern ausstatten und das schaurig gruslig harte Klopapier durch Charming ersetzen könnten.

Gute Partnerschaft wünscht

konsumfreu(.)de